Freitag, 23. Dezember 2011

Frohe Weihnachten!


Liebe Familie, liebe Freunde und Verwandte!!!
Wieder neigt sich ein Jahr seinem Ende entgegen, kaum zu glauben, haben wir nicht letzte Woche erst Silvester gefeiert und 2011 herzlich willkommen geheißen? Und nun steht bereits 2012 vor der Tür. Bevor wir uns neugierig dem neuen Jahr zuwenden möchte ich gern innehalten und über das hinter uns liegende Jahr reflektieren. Ich möchte euch teilhaben lassen an dem was uns bewegt, ich möchte offen, ehrlich, transparent sein.
Gesunde Entwicklung bedeutet Wachstum, das ist nicht immer ganz schmerzfrei, aber es ist unerhört wichtig um dem Ziel ein Stück näher zu kommen. Wachstum geschieht manchmal sprunghaft, manchmal still und leise, beinahe unbemerkt, manchmal muss man Geburtshilfe leisten und manches scheint sich von selbst zu entwickeln. Manchmal gibt es Wachstumspausen, dann wieder Wachstumsschübe, oftmals gilt es die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen aber im Grunde können wir Wachstum immer nur dankbar annehmen, denn es liegt nicht in unserer Hand ob Wachstum geschieht oder nicht. Letztendlich sind nicht wir die Verantwortlichen.
Schon die Bibel sagt: Es ist Gott, der das Wachstum gibt.  
Daher wollen wir in erster Linie dankbar auf ein Jahr zurücksehen, dass uns viel Wachstum auf allen Ebenen beschert hat.
Wir sind gewachsen, persönlich, in unserer Beziehung zueinander und zu unserem HERRN. An den Kindern sieht man das ja oft deutlicher als bei uns „Großen“, dennoch will ich glauben und hoffen, dass auch wir gewachsen sind.
Ich will euch ein paar konkrete Einblicke in das Gewächshaus Fritsch geben:
Fangen wir mit der Jüngsten an, Svea, unser Nesthäkchen, entwickelt sich prächtig. Dieses Jahr brachte für sie den Wechsel auf die Middelschool mit sich. Sie hat diesen Sprung mit Bravour gemeistert. Ein deutlich vollerer Stundenplan, viele neue Fächer, noch mehr Projektarbeit, all dies scheint ihr nichts auszumachen, sie liebt die Herausforderung. Wieder musste sie einigen guten Freundinnen Adieu sagen, dies ist immer schwierig und manchmal fließen ein paar Tränen, aber es ist schön zu sehen, wie offen sie neuen Menschen gegenüber ist und bleibt. Gern ist sie bereit sich ganz in neue Freundschaften zu investieren, auch mit dem Wissen, dass ein erneuter Abschied nicht einfach sein wird. Besonders stolz macht mich als Mama, wie sie sich dagegen entscheidet das Gezicke einiger Klassenkameraden mitzumachen. Sie setzt sich intensiv für die ein, die am Rand der Gemeinschaft stehen und versucht Versöhnung herbeizuführen. Dabei stellt sie fest, wie schwierig es oft ist zu vergeben und vergangenes Unrecht zu vergessen. Sie kämpft für ihre Überzeugung, dass jeder eine neue Chance verdient hat.
Nils würde wahrscheinlich selbst sagen, dass er nach wie vor auf den Wachstumsschub wartet, und das sehnsüchtig. Möchte er doch so gern grösser, bzw. länger als sein großer Bruder werden. Vordergründig betrachtet stimmt das, in die Höhe ist er 2011 nicht extrem viel gewachsen, aber in die Tiefe. Dass Nils ein großes, weiches, sensibles Herz für seine Mitmenschen hat wissen wir schon lang, aber auch im vergangenen Jahr hat sich seine Kapazität auf andere einzugehen vergrößert. Jüngere Kinder sehen zu ihm als Vorbild auf, er genießt großes Vertrauen bei all seinen männlichen und weiblichen Klassenkameraden, wenn sie Sorgen oder Probleme haben, so wissen sie, dass sie sich ihm anvertrauen können. Darüber hinaus hat er vor einigen Wochen seine poetische Ader entdeckt. Im Englischunterricht musste er 5 Gedichte schreiben, und dies wurde ein riesen Erfolg. Auch wir Eltern waren beeindruckt, wie er Gefühle, Stimmungen in Worte kleiden kann.
Ole ist mittlerweile der Größte in der Familie, auch wenn Marcus dies nicht gelten lassen will, bin ich überzeugt, dass er seinen Papa nun überragt. Aus meinem Erstgeborenen ist wirklich ein junger Mann geworden. Das letzte Schuljahr auf der Middelschool ist angebrochen, viel Arbeit bringt es mit sich, muss doch neben der normalen Schularbeit, mit Tests und Projekten eine Abschlussarbeit geschrieben werden. Es ist schön zu sehen, wie er hochmotiviert arbeitet, zuweilen bis tief in die Nacht. Wann immer Zeit übrig ist und die Nerven seiner Mama es erlauben spielt er begeistert Schlagzeug. Letzte Woche hatte er einen Auftritt mit seiner Band. Bandproben finden natürlich bei Fritschens statt, ein Schlagzeug kann man so schlecht mitnehmen. Für uns Eltern ist es phantastisch zu sehen, wie verantwortungsbewusst Ole ist. Es fällt uns leicht ihm immer größere Freiheiten zu genehmigen, da er sehr vertrauenswürdig ist.
Marcus ist in diesem Jahr in seiner Rolle als Leiter sehr herausgefordert wurden. Seine Kapazität liebevoll aber dennoch deutlich zu leiten wuchs dabei ganz beträchtlich. Menschenführung ist an sich eine Herausforderung und es wird nicht leichter wenn dies über Kulturgrenzen hinweg erfolgreich geschehen soll. Oft gilt es demütig hinzuhören und langen Atem zu bewahren. Das wachsende Team und die wachsende Gemeinschaft von H2O bieten hier ein großes Übungsfeld. Zusätzlich zu seinen Aufgaben als Teamleiter und Familienoberhaupt standen dieses Jahr Lehrtätigkeit bei CA-events und in seiner Aufgabe als Lehrer und Betreuer der Studenten der Skandinavischen Akademie für Leiterschaft und Theologie  im Vordergrund.
Auch ich bin in diesem Jahr in meiner Rolle als Teamleiterin sehr herausgefordert wurden. Hab ich mich lange gar nicht recht als Leiterin gesehen, so wurde dieses Jahr deutlich, dass Marcus und ich tatsächlich gemeinsam das Team leiten. Nicht immer ist es leicht das Dienstliche vom Privaten zu trennen und hier besteht sicher auch weiterer Wachstumsbedarf, aber erste Schritte in die rechte Richtung konnten wir gehen. Bei Reningsborg, meiner Arbeit im Second Hand Laden als Arbeitstherapeutin, musste ich immer öfter auch die herausfordernden Konfliktgespräche führen, meine Führungsqualitäten sind auch hier mehr und mehr gefragt. Es ist nicht immer leicht zu konfrontieren und dabei liebevoll Weiterentwicklung zu motivieren. 
Ein volles, reich gesegnetes Jahr liegt hinter uns, wir sind müde, dankbar und freuen uns auf ein paar freie erholsame Tage als Familie. In den Weihnachtstagen wollen wir uns auf den Gärtner besinnen, der das Wachstum schenkt  und unsere Herzen neu an der Wurzel fest machen, durch die wir Nahrung bekommen.
Wir grüßen euch mit Worten dessen, dessen Geburtstag wir nun feiern, ER sagt:
Ich bin der Weinstock, mein Vater ist der Weingärtner und ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, in dem bleibt mein Leben, und er wird viel Frucht tragen. Wer sich aber von mir trennt, kann nichts ausrichten.
In diesem Sinne wünschen wir euch ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein ertragreiches neues Jahr.
Eure Familie Fritsch
Karen, Marcus, Ole, Nils und Svea Nadia

Mittwoch, 24. August 2011

Trevlig sommer!


Dies ist der Gruß, den man von Mitte Juni bis Ende August benutzt, selbst die Busse fahren diesen Gruß spazieren, denn hier in Schweden gibt es nur zwei Jahreszeiten Sommer und den Rest des Jahres. Einen fröhlichen, schönen Sommer wünscht man sich selbst und seinen Freunden.
Kinder haben schulfrei und viele Wochen liegen verheißungsvoll vor einem. Selbstverständlich kann die arbeitende Bevölkerung nicht 12 Wochen freinehmen, und dennoch ist die gesamte Stimmung anders…
Svea und Nils verbrachten gleich die erste Ferienwoche auf dem Pfadfinderlager, bereits letztes Jahr waren sie total begeistert von dort zurückgekommen und berichteten von Abenteuern und Glaubenserfahrungen, und das war auch dies Jahr nicht anders. Ole verbrachte viel Zeit mit seinem Freund Betwin und war einen langen Tag beim Paddeln mit Freunden. Für ihn waren schon die letzten Schulwochen von Aktivitäten mit Freunden, teils bis spät abends gekennzeichnet. Was ist unser Großer groß geworden. Kann eine Mutter stolzer sein auf ihren Nachwuchs, als ich es gerade bin? Manchmal kann ich mich schier nicht satt sehen.
Wir hatten unsere Sommerplanung so schön ausgeklügelt, in diesem Jahr musste unbedingt mal wieder eine Woche Familienurlaub rausspringen, darüber waren wir uns alle 5 einig. Außerdem wollten wir auf Deutschlandturnee, Kiel, Gummersbach, Ingolstadt, Hitzhofen und zum Abschluss die CA Jahreskonferenz in Ungarn. Das alles mit nur 4 Wochen Urlaub, mehr konnte ich nicht frei bekommen, denn zum ersten Mal sollte Reningsborg den ganzen Sommer über geöffnet bleiben… Dann war da ja auch noch der Besuch von Max und Johannes für eine Woche sowie Mirjam, die uns für eine Woche besuchen wollte… Alles schien organisiert zu sein und dann kam die Nachricht, dass mein Papa am Herzen operiert werden müsse, er brauche eine neue Aortenklappe so die Aussage der Ärzte. Die OP war als minimaler Eingriff geplant, sollte dies jedoch nicht gelingen müsse am offenen Herzen operiert werden. Außerdem würde der Eingriff in Dortmund durchgeführt werden. Ich fasste schon früh den Entschluss zur OP bei meiner Mama zu sein. Lange war der Termin nicht klar, dann sah es so aus, als ob die OP in der ersten Juliwoche durchgeführt würde. Flüge wurden gebucht, da dies unsere geplante Familienurlaubswoche war fiel der Entschluss die Deutschlandturnee dieses Jahr auch nicht so durchzuziehen. So schön es ist alle Freunde und Bekannte zu treffen, so ist diese Zeit auch immer echt anstrengend für uns. Wir spürten deutlich, dass wir eine Auszeit brauchten um Kraft für das neue Jahr hier zu haben.
In der ersten Juliwoche war ich also in Gummersbach. Nach anfänglicher Ungewissheit, ob die OP nun auch tatsächlich in dieser Zeit durchgeführt werden könne kam dann auch am Sonntag die erlösende Nachricht, dass Papa für Dienstag auf dem Plan stand. Die OP verlief reibungslos und als ich am Freitag den Heimflug antrat wurde Papi bereits auf die Normalstation zurückverlegt. Ich war und bin sehr dankbar, dass ich diese Zeit mit meinen Eltern verbringen konnte, dass ich zum letzten Mal so ausgiebig Zeit allein mit den Beiden hatte ist schon Jahre her.
Wieder in Göteborg angekommen begannen zwei anstrengende Arbeitswochen, ich sollte Vollzeit arbeiten, da einige andere Kollegen im Urlaub waren. Außerdem waren Marcus und ich am Samstag verantwortlich für den Verkauf von Reningsborg. Den Sonntag drauf holte Marcus mit den Kindern Max und Johannes in Helsingör ab. Unsere drei hatten eine tolle Woche mit ihren Cousins aus Kiel und die einzige Arbeit die ich mit der Bande hatte war dafür zu sorgen, dass sie etwas in ihre Bäuche bekamen. Und 5 Teenager (naja 2 beinahe Teenager waren auch dabei) können ganz schön was verputzen… Ansonsten brauchten die 5 bloß ab und zu Marcus als Chauffeur zum Badesee und waren ansonsten super zufrieden und sehr gut zu haben. Max und Jojo, ihr könnt jederzeit wiederkommen.
Am darauffolgenden Wochenende brachten wir die zwei zurück nach Krokau und verbrachten ein sehr nettes Wochenende mit Familie Wahl. Marcus hatten einen Predigtdienst in der Gemeinde in Heikendorf übernommen und am Sonntagnachmittag machten sich die Männer mit den Kindern auf in den wilden Westen nach Bad Segeberg zu den Karl May Festspielen. Ina und ich hatten einen gemütlichen Plauschnachmittag zuhause. Montagmorgen galt es dann noch ein paar Sachen einzukaufen, die wir so in Schweden nicht bekommen. Spät in der Nacht kamen wir müde aber bereichert in Göteborg an.
Nun stand nur noch packen auf dem Programm so dass am Mittwoch der Urlaub in Dalsland beginnen konnte. Diese gute Woche in der Wildnis mit Kanu und Zelt ist schwer mit Worten zu beschreiben. Seht euch am besten den Film an, den Marcus erstellt hat… Wie schon in anderen Jahren segnete uns unser guter Herr mit dem allerschönsten Wetter, das Schweden zu bieten hat für genau diese Tage. Wir sind sprachlos und von Herzen dankbar!!!
Die leeren Batterien gefüllt fühlen wir uns nun ausgerüstet für das was Er für uns in der nächsten Zeit bereithält. Die Jahreskonferenz von CA liegt auch schon wieder hinter uns, die Schule hat begonnen, es muss der Alltag sein, der dann wohl wieder weitergeht. Der schwedische Sommer neigt sich seinem Ende entgegen…

Dienstag, 16. August 2011

Schweden


Im Juni begleitete ich Marcus zu der Jahreskonferenz von Efk, dem schwedischen Gemeindebund dem wir angeschlossen sind ,nach Örebro. Marcus war angefragt worden dort einen Workshop zu halten über TjänaStan. So eine Chance sollte man natürlich nutzen und so machten wir uns früh morgens auf die Reise. Allein die weite Autofahrt (300km) ist für mich ein Genuss, zum ersten haben wir zwei ungestört Zeit zum Reden und zum zweiten sind Autofahrten durch Schweden für mich immer noch sehr mit Urlaubsgefühlen verbunden, war doch dies der Sommerurlaub meiner Kindheit. In Örebro angekommen wurden wir liebevoll begrüßt und konnten nur staunen über die Größe dieser Konferenz, auf dem Gelände eines alten Bauerhofs hatte sich eine Zelt- und Wohnwagenstadt gebildet, die unsere Erwartungen bei weitem übertraf. Ich hatte mir vorgenommen, zwei Vorträge zu besuchen während Marcus erst den Workshop abhielt und dann ein Interview geben sollte.

Warum ist Schweden das meist säkularisierteste Land der Welt? Und was können wir dagegen tun?

Islamisierung Schwedens – Mythos oder Zukunftsszenario?

Wir sind und bleiben Lernende, und wollen wir relevante Arbeit hier in Schweden tun, dann müssen uns diese Fragen bewegen und wir ernsthaft nach Antworten suchen. Gerade in unserem Umfeld hier in Angered scheinen beide Fragestellungen super aktuell zu sein. Oftmals scheint es, als ob dies die zwei Weltbilder, Lebensphilosophien sind, die uns begegnen: Säkularisierung oder Islam, oder ein interessanter Mischmasch aus beidem.

Schwedens Geschichte ist wirklich so total anders als alles, was wir aus Deutschland kennen, wenn es um Kirche und Glauben geht, spannend. Lange lange war die Kirche hier Staatskirche, Schwede sein bedeutete Mitglied in der schwedischen Kirche sein. Kirchgang am Sonntag war Staatsbürgerpflicht. Noch im Jahre 1850 wurde ein Mann des Landes verwiesen, da er sich als Erwachsener aufgrund seines Glaubens taufen lies. Freikirchen waren verboten, die Kirche war ein Monopol und übte Macht durch Zwang aus. Gleichzeitig lebten viele Menschen in Armut, und Alkoholismus war ein riesiges Problem. Nicht selten wurde der Lohn gleich in Alkohol ausgezahlt und wo das nicht der Fall war, geschah es dennoch häufig, dass das Geld nicht zu Haus ankam, sondern auf dem Weg im Gasthaus versoffen wurde. Dies änderte sich langsam, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Freikirchen zugelassen wurden. Christ zu sein bzw. zu werden, wurde gleichbedeutend mit dem Alkohol zu entsagen. Was viele Deutsche mit Schweden verbinden sind die idyllischen roten Holzhäuser. Diese  waren ein Zeichen. Hatte der Hausherr Jesus kennengelernt und war nun frei von dem Zwang, sein Geld zu versaufen, waren nun Mittel da, die in Schweden übliche Farbe Falunröd (ein Abfallprodukt der großen Kupfermiene in Falun) zu kaufen. Rotes Haus bedeutete also, hier herrscht Freiheit vom Alkohol durch den Glauben an Jesus Christus. Was also mit viel Freude und Freiheit begann  entwickelte sich dann leider mit und mit in die entgegengesetzte Richtung. Aus Angst man könne Fehler begehen und in Sünde fallen wurden mehr und mehr Regeln aufgestellt. Absurditäten sind in diesen Sündenkatalogen zu finden wie pfeifen am Sonntag, Radiohören, usw. Was als Freiheitsbewegung so vielversprechend begann, wurde zu einer neuen Zwangsherrschaft. Wie konnte das passieren fragen wir heute, und wie kann man das nur ändern? Wie kann es einmal mehr dahin kommen, dass die Menschen in Schweden an Freiheit und ein erfülltes Leben denken wenn sie Glaube, Jesus, Kirche, Gemeinde hören? Antwort auf diese Frage zu finden, scheint der Schlüssel zu sein. Wie können wir wie Jesus selbst Liebe, Annahme, Freiheit vermitteln ohne gleichzeitig zu verkünden, du kannst leben, tun und machen wie und was du willst, alles ist ok. Dies war niemals Jesu Botschaft und kann und darf auch nicht unsere werden. Ein Glaube ohne Maßstäbe für richtig und falsch ist nicht attraktiv sondern hohl, diesen Weg hat die schwedische Kirche nun lange genug erfolglos ausprobiert… Jesus dagegen hat den Einzelnen in seiner Verlorenheit gesehen, geliebt, angenommen, niemals verurteilt aber dennoch herausgefordert, sein Anspruch war und ist hoch, Er fordert ganze Hingabe des ganzen Lebens. Dass es sich lohnt diesen Preis zu zahlen wollen wir verkünden mit unseren Worten, Taten, unserem ganzen Dasein.

Islamisierung Schwedens, dies ist definitiv Thema in Angered. Wenn ich morgens mit dem Bus zur Arbeit fahre bin ich manchmal die einzige „unbetuchte“, nicht verschleierte Frau im Bus. Das fällt auf. Gehe ich in Hjällbo einkaufen kann leicht das Gefühl aufkommen ,ich sei in eine andere Welt eingetaucht, dort sieht es mehr aus wie auf einem arabischen Basar oder nordafrikanischem Markt als in einem europäischen Einkaufszentrum. Der Islam wird immer sichtbarer. Vor kurzem wurde in Göteborg eine neue riesige Moschee eingeweiht, gleichzeitig schließen mehr und mehr Kirchen da sie sich nicht mehr finanzieren lassen. Der Vortrag über dieses Thema wurde interessanter Weise von einem ehemaligen Muslim gehalten, der als Flüchtling nach Schweden gekommen war, hier zum Glauben an Jesus fand und nun Pastor einer Gemeinde in Malmö ist. Ein echter Insider also. Was ihm echt auffällt ist, wie sehr wir Christen unseren Glauben zur Privatsache gemacht haben. Oftmals kann man den Eindruck gewinnen, Christen sei ihr Glaube peinlich, sie entschuldigen sich geradezu dafür. Wie kann das sein, und wie wirkt das, wenn der Islam im Gegenteil dazu sich sehr deutlich öffentlich zeigt und seine Anhänger stolz darauf sind, Muslime zu sein? Wieso, mit welcher Begründung, wird es nicht nur toleriert sondern geradezu propagiert, dass wir in den westlichen Ländern, wo Gleichberechtigung so ein hoher Wert ist, Muslime anders behandeln als Christen? Wieso ist es politisch korrekt, sich über Jesus, die Kirche und gläubige Christen zu belachen, wo gleichzeitig Karikaturen von Mohamed auf das schärfste kritisiert werden? Warum werden christliche Eltern, die aus Glaubensüberzeugung ihre Kinder vor gewissen Einflüssen schützen wollen, als gefährliche Fundamentalisten hingestellt, während man bereit ist, Schulen und Turnhallen mit separaten Umkleideräumen für muslimische Kinder auszurüsten? Säkulare schwedische Journalisten stellen diese Fragen mittlerweile, es wird das Stockholmsyndrom genannt, dass man bereit ist, den Islam zu verteidigen und sich gegen seine eigene Religion und Geschichte zu stellen. Was vermitteln wir unseren muslimischen Mitbürgern durch dieses Verhalten? Islam ist die überlegene Religion und eh das Beste, was der Welt passieren kann, dies ist ohnehin ihre Überzeugung, und wir, wir bestärken sie darin. Was ist die Antwort, wie sollten wir reagieren? Jesus sagt: Liebe deinen Nächsten! Und dann geht Er sogar so weit zu sagen: Liebe deine Feinde! Also egal, wie wir Muslime erleben, ob als den netten Nachbarn von nebenan, oder als den militanten Marktschreier, der öffentlich Bibeln verbrennt; unsere Antwort sollte klar sein: Liebe! Dabei brauchen wir definitiv keine Angst vor dem Islam und den Muslimen zu haben. Vielmehr sollten wir Angst haben vor einer Gemeinde, die Jesus und seinen Auftrag und damit ihr Zentrum verloren hat. Lasst uns von den Muslimen lernen, oftmals ist ihr Glaube, ihre Treue, Hingegebenheit, Loyalität und die starke Gemeinschaft vorbildlich. Lasst uns nicht vergessen was unser Auftrag ist: Menschen zu retten, indem wir sie ins Reich Gottes hineinlieben. Und sei bereit, auch deine Feinde zu lieben!

Montag, 8. August 2011

Sisterhood


Dieses Wort „Sisterhood“ Schwesternschaft beschreibt für mich den Monat Mai perfekt.
Ich bin begeistert von der Color Sisterhood, ein Teil der Frauenarbeit von Hillsong. Im Frühjahr 2009 hörte ich zum ersten Mal von dieser Arbeit. Meine Zwillingsschwester Kirsten lud mich zu einer Frauenkonferenz nach London ein. Spannend dachte ich, und da ich mich gerade in einer niedergeschlagenen Phase befand und Aufmunterung dringend gebrauchen konnte, denn die Vorbereitungen für unser erstes TjänaStan liefen auf Hochtouren, sagte ich zu. Wenn ich mich daran erinnere mit welchen gemischten Gefühlen wir zwei damals die Royal Albert Hall betraten muss ich lächeln. Wir waren uns einig gewesen, dass, sollte sich herausstellen, dass dies eine Emanzen Veranstaltung sei, wollten wir uns anderweitig eine schöne Zeit in London machen. Was wussten wir schon…
Nach der ersten Veranstaltung stand für uns fest wir hatten einen Platz zum Auftanken unter Gleichgesinnten gefunden. Phantastisch. Welch eine Ermutigung zu sehen, dass wir nicht allein sind mit unserer Liebe zum HERRN und dem Wunsch dieser Liebe konkret im Alltag Ausdruck zu verleihen. Welch gesunde, inspirierende Sicht auf unseren Auftrag als Töchter des Königs, wie schön zu hören, dass es wichtig ist bei all der Not auf dieser Welt sich nicht entmutigen zu lassen von der Größe der Herausforderung, sondern vielmehr zu sehen was Gott mir in die Hand gegeben hat, mir anvertraut hat und dann im Glauben daraus das Beste zu machen. Motiviert und gestärkt kehrte ich nach Schweden zurück überzeugt, dass ich hier in Göteborg meinen wenn auch kleinen Beitrag leisten wollte. TjänaStan wurde zu einer tollen Sache und wir haben mittlerweile vier große Events hinter uns. Vor jedem Mai Event hatte ich die Möglichkeit nach London zu reisen und mich dort ausrüsten zu lassen auf der Konferenz. Danke Kirsten für deine unbeschreibliche Großzügigkeit.
2011 war zum ersten Mal Ina (unsere ältere Schwester) mit von der Partie. Sisterhood bekam somit noch mehr Bedeutung. Wie herrlich, dass wir drei Schwester (die drei Inas wie unser Nachbar früher zu sagen pflegte) diese Zeit miteinander teilen konnten. Welch ein Segen, dass uns drei außer Blutsbanden, unser gemeinsamer Glaube und eine tiefe Freundschaft und Vertrautheit verbindet, und dass obwohl wir in drei verschiedenen Ländern leben, Treffen damit höchst selten stattfinden und wir auch nicht gerade sehr oft miteinander telefonieren. Jede von uns ist in ihrem Teil der Welt recht stark eingebunden, das Leben ist voll mit guten Dingen, die einen beschäftigt halten, dass oft abends kaum Zeit und Kraft bleibt für ausgiebige Gespräche am Telefon, dennoch wissen wir dass wir aufeinander zählen können. Welch ein Geschenk!!! Ina und Kirsten ihr zwei seid Segnungen mit denen mich unser HERR reich beschenkt hat und ich schätze mich glücklich euch in meinem Leben zu haben.
Am Mittwoch dem 04. Mai flogen wir also aus drei verschiedenen Ländern in drei verschiedenen Flughäfen in London ein. Als Treffpunkt war ein kleines Starbucks Café am Fuße der Tower Bridge ausgemacht. Zunächst hatten wir noch einen freien Tag um London unsicher zu machen. Love Never Dies, Andrew Lloyd Webbers Musical stand für den Abend auf dem Programm. Sehr schön!!! Und am nächsten Morgen schauten wir uns die Szene von Camden Market an. Am Donnerstag dann am Nachmittag ging die Konferenz los. Was soll ich hier in Kürze dazu sagen, alle Vorträge waren ein echter Segen und eine große Ermutigung. Als ich bereits auf dem Heimweg war bekam ich von Kirsten eine Sms in der sie die Quintessenz der Konferenz wunderbar zusammengefasst hat: „Egal wie unsere Lebensumstände auch aussehen mögen, Jesus ist immer der Erste, er ist da, bereits vor uns und weiß was uns begegnet, Er ist die Antwort und Er kann alles so führen, dass es zu unserem Besten und zu Seiner Ehre dient. Und sollte es so aussehen, als ob nichts Sinn ergibt, nichts von Bedeutung ist und sich nichts vorwärtsbewegt in meinem Leben, dann kann Er Veränderung schaffen zu seiner Zeit und meine Aufgabe ist es mich nicht hängen zu lassen,  mich Ihm vertrauensvoll hinzugeben und treu eine weitere Runde zu drehen (wie die Israeliten um Jericho damals). Unterwegs ist es entscheidend dankbar zu sein und zu bleiben für all die tausend Segnungen (klein und groß), die Er mir täglich schenkt. Denn alles ist Gnade.“ In dieser Haltung möchte ich leben, jeden Tag und bereit sein für die Überraschungen, die Er für mich bereithält. Wer außer Ihm weiß schon wann die nächste Mauer einstürzt. 
Meine Schwestern Kirsten und Ina

Dienstag, 3. Mai 2011

"Ostern, Wochenende der Völlerei"

So titelte die zweitgrößte Tageszeitung Schwedens gestern. Traurig, denke ich. Das Gespräch mit meinen Arbeitskolleginnen bestätigt diese Überschrift. Es gehe letztlich bei Ostern in erster Linie um das Festessen mit der ganzen Familie. Die Gerichte, die unbedingt auf den Tisch kommen müssen werden diskutiert, d.h. eigentlich ist das gar keine Diskussion sondern ehr eine Feststellung von Allgemeingut. Alle sind sich einig: Verschiedene Sorten eingelegter Hering (Sill), Kaviar, Lachs und "Jansons Versuchung" müssen da sein. Ich schmunzele vor mich hin und denke, also genau wie an Mittsommer und Weihnachten, einzige Variation, an Ostern kommen Eier dazu, an Mittsommer die neuen Kartoffeln und an Weihnachten der Weihnachtsschinken. Was mich allerdings traurig stimmt ist nicht die Einfallslosigkeit bei der Essensauswahl, zumal mir all diese Gerichte sehr gut schmecken, nein, vielmehr die Sinnentleerung unseres größten christlichen Fests macht mich traurig. Ging es bei Ostern ums Essen? Wenn überhaupt, dann kann man hier nur das letzte Abendmahl heranziehen, und ein ausgesucht kulinarisches Mahl war das wohl nicht. Brot und Wein - eher Grundnahrungsmittel würde ich sagen.

Wer mich kennt der weiß, dass ich gutes Essen sehr schätze und auch sehr gern Gäste mit guten Sachen aus meiner Küche verwöhne, dennoch hab ich ohne darüber eine klare Entscheidung gefällt zu haben dieses Jahr noch keinen Gedanken an die Speisekarte für das diesjährige Osterfest vergeudet. Und dies obwohl wir evtl. sowohl am Sonntag als auch am Montag das Haus voller Gäste haben werden. Ich will hier ehrlich sein, ein Grund ist sicher dass die letzte Woche sehr ausgefüllt war mit Arbeit und Terminen. Trotz allem hat mich diese Tatsache heut froh gemacht, denn neben allem anderen, was so läuft, haben wir es dieses Jahr in der Passionszeit als Familie geschafft, uns intensive auf Ostern vorzubereiten. In unserer abendlichen Familienandacht haben wir uns mit Abschnitten aus der Bibel beschäftigt, die sich angefangen vom Sündenfall mit Gottes Bemühen um Wiederherstellung der Gemeinschaft des Menschen mit Ihm beschäftigen. Neu haben wir über Gottes Langmut, Seine Gnade, Güte und Liebe zu uns gestaunt. Adam und Eva versprach Er bereits den Einen, der der Schlange den Kopf zertreten würde; für Abraham hatte Er eine Widder im Gestrüpp bereit, die Israeliten konnten beim Anblick der erhöhten Schlange geheilt werden und mit Jesus kam Er uns ganz nah. Jesus Lebensweg haben wir uns genauer angesehen, Seine Lehre studiert und über Seine Geduld mit und Liebe zu Seinen Jüngern, diesem verkrachten Haufen, gestaunt.

Uns als Familie hat dies sehr gut getan, wir haben die gemeinsame Zeit genossen und fühlen uns nun vorbereitet, Ostern zu feiern und wirklich zu verstehen worum es hier tatsächlich geht. Jesus geht den ganzen Weg, bis zum qualvollen Tod, aber da ist die Geschichte nicht zu Ende, das Unmögliche wird wahr, Jesus steht auf zu neuem Leben. Der Mensch durch Jesus wiedervereint mit seinem Schöpfer, Tod besiegt, dem Widersacher wurde der Kopf zertreten, neues Leben ist möglich, ewiges Leben wird unser Erbe... Wenn all dies nicht Grund zum Feiern, Grund zur Freude ist, dann weiß ich es auch nicht.
Und ja, auch ich freue mich am Frühling, der für mich dieses Jahr deutlicher als je zuvor ein Zeichen dafür ist wie Gott, der Schöpfer aus toter Materie neues Leben entstehen lässt. Auch in diesem Jahr wird es bei uns Ostereier geben, die der Hase versteckt. Und meine Gäste dürfen sich über leckeres Essen freuen, all dies ist nämlich nicht schlecht oder verkehrt, ihr versteht mich hoffentlich recht, es ist nur nicht der Kern und der Sinn von Ostern. Und ich muss sagen, das ist mein Wunsch, dass meine Gäste mehr, als nur das Essen genießen können in unserem Haus, dass sie erleben, dass hier Freude herrscht, die ihren Grund im auferstanden Herrn Jesus hat, und daher unabhängig ist von unseren Umständen und Befindlichkeiten. Echte Osterfreude eben.

In diesem Sinne Euch allen Frohe Ostern.