Dienstag, 3. Mai 2011

"Ostern, Wochenende der Völlerei"

So titelte die zweitgrößte Tageszeitung Schwedens gestern. Traurig, denke ich. Das Gespräch mit meinen Arbeitskolleginnen bestätigt diese Überschrift. Es gehe letztlich bei Ostern in erster Linie um das Festessen mit der ganzen Familie. Die Gerichte, die unbedingt auf den Tisch kommen müssen werden diskutiert, d.h. eigentlich ist das gar keine Diskussion sondern ehr eine Feststellung von Allgemeingut. Alle sind sich einig: Verschiedene Sorten eingelegter Hering (Sill), Kaviar, Lachs und "Jansons Versuchung" müssen da sein. Ich schmunzele vor mich hin und denke, also genau wie an Mittsommer und Weihnachten, einzige Variation, an Ostern kommen Eier dazu, an Mittsommer die neuen Kartoffeln und an Weihnachten der Weihnachtsschinken. Was mich allerdings traurig stimmt ist nicht die Einfallslosigkeit bei der Essensauswahl, zumal mir all diese Gerichte sehr gut schmecken, nein, vielmehr die Sinnentleerung unseres größten christlichen Fests macht mich traurig. Ging es bei Ostern ums Essen? Wenn überhaupt, dann kann man hier nur das letzte Abendmahl heranziehen, und ein ausgesucht kulinarisches Mahl war das wohl nicht. Brot und Wein - eher Grundnahrungsmittel würde ich sagen.

Wer mich kennt der weiß, dass ich gutes Essen sehr schätze und auch sehr gern Gäste mit guten Sachen aus meiner Küche verwöhne, dennoch hab ich ohne darüber eine klare Entscheidung gefällt zu haben dieses Jahr noch keinen Gedanken an die Speisekarte für das diesjährige Osterfest vergeudet. Und dies obwohl wir evtl. sowohl am Sonntag als auch am Montag das Haus voller Gäste haben werden. Ich will hier ehrlich sein, ein Grund ist sicher dass die letzte Woche sehr ausgefüllt war mit Arbeit und Terminen. Trotz allem hat mich diese Tatsache heut froh gemacht, denn neben allem anderen, was so läuft, haben wir es dieses Jahr in der Passionszeit als Familie geschafft, uns intensive auf Ostern vorzubereiten. In unserer abendlichen Familienandacht haben wir uns mit Abschnitten aus der Bibel beschäftigt, die sich angefangen vom Sündenfall mit Gottes Bemühen um Wiederherstellung der Gemeinschaft des Menschen mit Ihm beschäftigen. Neu haben wir über Gottes Langmut, Seine Gnade, Güte und Liebe zu uns gestaunt. Adam und Eva versprach Er bereits den Einen, der der Schlange den Kopf zertreten würde; für Abraham hatte Er eine Widder im Gestrüpp bereit, die Israeliten konnten beim Anblick der erhöhten Schlange geheilt werden und mit Jesus kam Er uns ganz nah. Jesus Lebensweg haben wir uns genauer angesehen, Seine Lehre studiert und über Seine Geduld mit und Liebe zu Seinen Jüngern, diesem verkrachten Haufen, gestaunt.

Uns als Familie hat dies sehr gut getan, wir haben die gemeinsame Zeit genossen und fühlen uns nun vorbereitet, Ostern zu feiern und wirklich zu verstehen worum es hier tatsächlich geht. Jesus geht den ganzen Weg, bis zum qualvollen Tod, aber da ist die Geschichte nicht zu Ende, das Unmögliche wird wahr, Jesus steht auf zu neuem Leben. Der Mensch durch Jesus wiedervereint mit seinem Schöpfer, Tod besiegt, dem Widersacher wurde der Kopf zertreten, neues Leben ist möglich, ewiges Leben wird unser Erbe... Wenn all dies nicht Grund zum Feiern, Grund zur Freude ist, dann weiß ich es auch nicht.
Und ja, auch ich freue mich am Frühling, der für mich dieses Jahr deutlicher als je zuvor ein Zeichen dafür ist wie Gott, der Schöpfer aus toter Materie neues Leben entstehen lässt. Auch in diesem Jahr wird es bei uns Ostereier geben, die der Hase versteckt. Und meine Gäste dürfen sich über leckeres Essen freuen, all dies ist nämlich nicht schlecht oder verkehrt, ihr versteht mich hoffentlich recht, es ist nur nicht der Kern und der Sinn von Ostern. Und ich muss sagen, das ist mein Wunsch, dass meine Gäste mehr, als nur das Essen genießen können in unserem Haus, dass sie erleben, dass hier Freude herrscht, die ihren Grund im auferstanden Herrn Jesus hat, und daher unabhängig ist von unseren Umständen und Befindlichkeiten. Echte Osterfreude eben.

In diesem Sinne Euch allen Frohe Ostern.

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